Organspende Ethik – AOK – Die Gesundheitskasse

Hier finden Sie Informationen zum Thema Ethik und Organspende.

Welche Bedeutung haben diese Informationen bei Ihrer Entscheidung für oder gegen eine Organspende? Wenn Sie durch Anklicken eine Auswahl treffen, werden in der Rubrik „Ihre Zusammenfassung“ die für Sie bedeutsamen Informationen aufgeführt.

Fragen
Falls ich meinen Willen für oder gegen die Organspende vor meinem Tod nicht dokumentiert habe (z.B. im Organspendeausweis), werden meine Hinterbliebenen nach einer Entscheidung gefragt. Kann ich ihnen diese Entscheidung zumuten?
Die Entscheidung findet in einer emotionalen Ausnahmesituation statt. Die Hinterbliebenen sind in dieser Situation mit der Entscheidung für oder gegen eine Organentnahme möglicherweise überfordert. Wenn sich der Verstorbene bereits zu Lebzeiten klar für oder gegen eine Organentnahme geäußert hat, kann dies für die Hinterbliebenen eine große Entlastung bedeuten. Allerdings kann eine zu Lebzeiten getroffene Entscheidung die Hinterbliebenen seelisch belasten, nämlich wenn sie persönlich eine andere Entscheidung treffen würden.
Spricht das Gelesene Ihrer Meinung nach für oder gegen die Organspende?



 
Ist es aus gesellschaftlicher Perspektive wichtig, sich mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen und sich bewusst dafür oder dagegen zu entscheiden?
In Deutschland besteht ein Missverhältnis zwischen Organbedarf und Spendebereitschaft. Dies spricht dafür, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und sich bewusst dafür oder dagegen auszusprechen. Andererseits darf man Menschen zu einer Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod und der Organentnahme nicht zwingen. Die Bürger werden künftig regelmäßig durch die Krankenkassen gefragt, ob sie zur Organspende bereit sind oder nicht.
Spricht das Gelesene Ihrer Meinung nach für oder gegen die Organspende?



 
Gibt es eine moralische/gesellschaftliche Pflicht zur Organspende nach dem Tod?
Eine Organspende kann nur freiwillig erfolgen. Niemand ist gesellschaftlich zur Organspende verpflichtet.
Spricht das Gelesene Ihrer Meinung nach für oder gegen die Organspende?



 
Habe ich das Recht Organe zu empfangen, auch wenn ich nicht spende?
Diese Frage wird in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Aus juristischer Sicht besteht kein Zusammenhang zwischen dem Recht Organe zu empfangen und der Bereitschaft Organe zu spenden.
Spricht das Gelesene Ihrer Meinung nach für oder gegen die Organspende?



 
Würde ich meine Organe jedem spenden, auch wenn der betroffene Mensch z.B. kriminell ist, alkoholkrank oder einer bestimmten religiösen oder ethnischen Gruppen angehört?
Wer sich zur Organspende bereit erklärt, kann nicht festlegen, dass die eigenen Organe nur einer bestimmten Menschengruppe überlassen bzw. nicht überlassen werden. In Deutschland ist die Organspende so organisiert, dass sie ohne Vorbehalte allen Menschen zu Gute kommen kann.
Spricht das Gelesene Ihrer Meinung nach für oder gegen die Organspende?



 
Ohne Leber kann ein Mensch nicht leben. Wenn ich mich nicht bereit erkläre zu spenden, ist das dann eine „unterlassende Hilfeleistung“?
Manche Menschen empfinden es als „unterlassende Hilfeleistung“, wenn man angesichts der Organknappheit nicht bereit ist, Organe zu spenden. Dem steht allerdings der hohe Wert der Selbstbestimmung entgegen [2]. Auch juristisch gesehen ist es keine „unterlassende Hilfeleistung“, wenn man sich gegen eine Organspende entscheidet.
Spricht das Gelesene Ihrer Meinung nach für oder gegen die Organspende?



 
Wie ist das Verhältnis bei Organempfängern zwischen privat Krankenversicherten (PKV) und Mitgliedern der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV)?
In der Vergangenheit wurde diskutiert, ob Mitglieder privater Krankenversicherungen bei der Organvergabe bevorzugt würden [5,6]. Dies ist nicht der Fall. Das Verhältnis von privat zu gesetzlich versicherten Organempfängern entspricht der Verteilung dieser beiden Gruppen in Deutschland (also etwa 10 % PKV zu 90 % GKV).
Spricht das Gelesene Ihrer Meinung nach für oder gegen die Organspende?



 
Welche Rolle spielen finanzielle Gesichtspunkte bei Organtransplantationen?
Entscheidungen zur Organentnahme und Organverteilung dürfen nicht von finanziellen Aspekten beeinflusst sein. Bei der Organtransplantation entstehen Kosten, die von den Krankenkassen getragen werden.
Spricht das Gelesene Ihrer Meinung nach für oder gegen die Organspende?



 
Kann eine finanzielle Unabhängigkeit der Deutsche Stiftung Organtransplantation gewährleistet werden?
Die Deutsche Stiftung Organtransplantation hat einen gemeinnützigen Auftrag. Sie muss finanziell unabhängig sein und bereitstehende Mittel ausschließlich entsprechend ihrer Bestimmung verwenden.
Spricht das Gelesene Ihrer Meinung nach für oder gegen die Organspende?



Inhaltlich verantwortlich:
Apl. Prof. Dr. Ulrich Eibach
Universität Bonn
Fachbereich Systematische Theologie und Ethik
Pfarrer am Universitätsklinikum Bonn

Prof. Dr. phil. Gabriele Meyer
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Medizinische Fakultät, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft

Erklärung zur Unabhängigkeit unserer Experten

Erstellt am:
12.3.2012

Aktualisiert am:
1.4.2017

Literaturquellen:

  • [1.] Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung – BzgA (2016) : Wissen, Einstellung und Verhalten der Allgemeinbevölkerung (14 bis 75 Jahre) zur Organ- und Gewebespende. Bundesweite Repräsentativbefragung 2016 - Erste Studienergebnisse. https://www.organspende-info.de/sites/all/files/files/files/2016_09/ Infoblatt%20Organspende_2016L.pdf. Zugriff am 16.02.2017.
  • [2.] Nagel U, Alber K, Bayerl B (2011) Transplantationsmedizin zwischen Fortschritt und Organknappheit. Geschichte und aktuelle Fragen der Organspende, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 20-21: 15-21
  • [3.] Bader M (2010) Organmangel und Organverteilung. Freiburger rechtswissenschaftliche Abhandlungen. Tübingen: Mohr Siebeck
  • [4.] Strafgesetzbuch, §323c
  • [5] Deutsches Ärzteblatt (2012) Vergabe von Spenderorganen: Scharfe Kritik an Kölner Studie. Deutsches Ärzteblatt online. http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/30828, Zugriff am 15.05.2017.
  • [6.] Niehaus J (2012) Transplantation: Organe nur für Reiche? FOCUS online. http://www.focus.de/gesundheit/gesundleben/vorsorge/news/transplantation_aid_229426.html, Zugriff am15.5.2017.
  • [7.] Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie, Jugend und Senioren. Schleswig-Holsteinischer Landtag. Transparenter und gerechter Zugang zu Organspenden. Drucksache 16/1943.
    http://www.landtag.ltsh.de/infothek/wahl16/drucks/1900/drucksache-16-1943.pdf. Zugriff 19.05.2017
  • [8.] Lattrell BC, Abendroth D (2007) Gesundheitsökonomische Aspekte von Nierentransplantationen. Transplantationsmedizin;19:83-92



Eine optimale Darstellung dieser Seite ist nur auf dem Computer oder Tablet möglich.